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Zugerbieter, 21. Juni 2006
Höllgrotten aus ungewohnter Perspektive


Schattenreich der Stalagmiten und Stalaktiten, inszeniert in Bildern und Klängen, inspiriert durch Platons Höhlengleichnis

   

Vergangene Woche feierte der Kulturverein T-Raumfahrt die Premiere von «Schattenreich», einem inszenierten Rundgang durch die beiden Grotten.

«Herbei, herbei!», fordert der Höhlenwächter die wartenden Besucher auf. Diese folgen ihm in Gruppen zum Grotteneingang. Bevor ihnen Einlass gewährt wird, erhalten sie von einem weiteren Höhlenwächter Anweisungen zum Verhalten während des Rundgangs. Der Besucher tut gut daran, besonders einen Hinweis zu beherzigen: Bevor er ins mystische Erdinnere eintaucht, sollte er seine gewohnte Welt hinter sich lassen.
Durch den Einsatz von Licht, Projektionen sowie Klängen und Audio-Textcollagen zum Leben erweckt, ziehen die Höllgrotten Besucher momentan besonders in ihren Bann. Den Szenografinnen Elisabeth Wegemann und Isabel Schumacher ist es gelungen, die von der Natur geschaffenen Räume in eine bizarre Welt zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu verwandeln, ohne diese zu verfremden. Um den Charakter der Grotten zu betonen, werden die gestalterischen Mittel dezent eingesetzt.
Es sei nicht Absicht, mit «Schattenreich» eine bestimmte Botschaft zu übermitteln, erklärt Martina Hasler (Regie). Sie bereitete die Schauspieler – darunter auch etliche Baarer und Baarerinnen – auf ein Spiel in Übereinstimmung mit Klanginstallationen und Lichtprojekten vor (siehe Vorschau im «Zugerbieter» vom 31. Mai).
Im «Schattenreich» wird den Höhlenbesuchern keine vollständig abgeschlossene Geschichte vorgesetzt. Der Rundgang wird vielmehr zum Erlebnis und zur Erfahrung einer Welt, die etwas fern unserer täglichen Realität liegt. So steht man am Anfang des Wegs den beiden Stalagmiten etwas verloren gegenüber und weiss mit den Textcollagen nicht allzu viel anzufangen. Je länger der Besucher sich jedoch in diesem Schattenreich aufhält, desto mehr glaubt er zu verstehen: Er hat sich hier mit Metaphern aus der Science-Fiction- und Insektenwelt auseinander zu setzen.

Lebendige Steine und Bilder
Höhlenwächter, Stalagmit, Kokonmutter, Nahrungsvermittlerin und Höhlenkönigin sind Bestandteile der lebend inszenierten Bilder in einer Welt, die seit Menschengedenken im Einfluss des Wassers sich stets wandelt. Auf dem Weg durch die Höllgrotten treffen Besucherinnen und Besucher auf diese Figuren und beginnen zu assoziieren. Absicht der Initiantinnen sind Parallelen zu Platon. Da wären Platons zwei Welten: die Gefangenen im Höhlengleichnis, die ausschliesslich die Schatten der Dinge sehen, und Platons Modell vom Idealstaat. Da sind aber ebenso die Fortpflanzung und Kastenbildung bei Insekten.
Die Inszenierung beeindruckt, wenngleich es sich dabei nicht unbedingt um leichte Kost handelt.
Weitere Inszenierungen siehe Veranstaltungsseite oder www.t-raumfahrt.net.

Zugerbieter, 21. Juni 2006


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