Linth-Zeitung
Donnerstag, 05. Juni 2003
Sagenhaftes auf dem Sessellift
Auf und rund um den Sessellift Rämel wird ab heute inszeniert
Vom Boden der Realität abheben, sich inspirieren lassen und tanzenden Liebespaaren zusehen: Zwei junge Künstlerinnen haben den Sessellift Rämel in Gommiswald in ein sich bewegendes Kunstwerk verwandelt.
Freddy Meier
 
Tanzende Paare im Venusreich - zu sehen hinter der Bergstation Rämel. Geri Schedl
 
Kurz nach 21 Uhr abends: Man nähert sich der alten, verlassenen Sägerei in der Uetliburg, unweit der Talstation des Sesselliftes auf den Rämel. Man taucht ein in die Eingeweide dieses verwinkelten Gebäudes. Die Stimmung in den einzelnen Räumen ist eigenartig und skurril, beinahe mysteriös. Aus dem schummrigen Halbdunkel ertönt einsames Spiel vereinzelter Geigenspielerinnen. Man steigt die Treppen hoch, tastet sich durch verschiedene Räume und Etagen, die nur punktuell beleuchtet sind. Aus einem alten Radio ertönt eine männliche Stimme, die eine Geschichte erzählt. Vereinzelte Lichterketten weisen dem Besucher den Weg durch die Sägerei mit ihren alten und verlassenen Gerätschaften, Maschinen und Anlagen, bis er den Weg findet zur Talstation der Sesselbahn, von wo es in langsamer Fahrt nach oben auf den Rämel geht.Der Rämel als Bühne

So erlebte der Besucher des Projektes «Sagenhaft» an der Generalprobe vom Dienstagabend den Einstieg in die szenografische Inszenierung, die von heute Donnerstag, 5. Juni, bis am Dienstag, 10. Juni, mit und um den Sessellift Rämel über die Bühne gehen wird.
Der Zuschauer wird eingeladen zu einer inszenierten Sesselbahnfahrt in der Dämmerung eines Sommerabends, an dem er, für kurze Zeit losgelöst vom Boden der Realität, in eine Welt der ortsbezogenen Sagen und Geschichten von Gommiswald eintauchen kann.
Auf der Sesselbahn hören die Besucher über den Kopfhörer eines Walkmans Teile einer Sage, verflochten mit dem Porträt über den Gommiswalder «Dorfarchivaren» Hans Zweifel, der seit Jahren Geschichten und Sagen aus der näheren und ferneren Umgebung von Gommiswald sammelt. Verschiedenfarbige Scheinwerfer beleuchten den Waldrand, und Lichterketten liegen in den Wiesen unter dem Sessellift.
Der Geschmack frischen Heus vermischt sich mit dem künstlichen Licht und dem Sonnenuntergang. Während der 20-minütigen Fahrt kann sich der Besucher einstimmen, Meter für Meter fällt er ins Reich der Sagen und Geschichten, entfernt sich schrittweise von der Realität und möchte gar nicht mehr vom Sessel absteigen, wenn er oben auf der Bergstation des Rämel angelangt ist.

Der Rämel als Venusberg

Nach ganz langsamer Fahrt durch die Dämmerung auf der Bergstation Rämel angelangt, führt ein kleiner Fussmarsch entlang von ausgelegten Lichterketten auf den Höhepunkt der Inszenierung zu: der Hügel hinter der Bergstation stellt das Reich der Venus dar. Das Publikum wird von tanzenden Liebespaaren empfangen, umgeben von Klängen, Gerüchen, Licht und sphärischer Musik des Venusberges.

Ritter Tannhuser

Im Zentrum des Abends steht die Sage vom Ritter Tannhuser, der auf der Suche nach der Liebe ins Reich der Venus gerät. Und vom schlechten Gewissen geplagt, reist er nach Rom, um vom Papst Vergebung zu erhalten. In diese Sage hinein sind noch weitere Geschichten verflochten, die der Besucher während der Talfahrt zu hören bekommt: so vom Säge-Giger, vom Geiger vom Tobel und vom Spinnfräuli.
Hinter der ganzen Inszenierung stehen zwei junge Künstlerinnen aus dem Raum Zürich: für das Konzept und die künstlerische Leitung zeichnen Isabel Schumacher und Elisabeth Wegmann verantwortlich, deren Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst beinahe beendet ist. Nach eigenen Aussagen geht diese inszenierte Sesselbahnfahrt weit über die Ausmasse eines Schulprojektes hinaus. Mit einem Team von gegen 50 Mitwirkenden haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten alles daran gesetzt, dass ab heute Donnerstag die Besucher in das Reich der Venus eintauchen können. Unterstützt wird das Projekt von Sponsoren und Gönnern, so auch von der Politischen Gemeinde Gommiswald und vom Kur- und Verkehrsverein Gommiswald. Für die politische Gemeinde erfolgte die Unterstützung im Rahmen der Aktivitäten zum St. Galler Kantonsjubiläum.
Die inszenierte Sesselbahnfahrt findet von heute Donnerstag, 5. Juni, bis nächsten Dienstag, 10. Juni, jeden Abend ab 21 Uhr statt. Wenn das Wetter nicht mitspielen sollte, sind folgende Ausweichdaten vorgesehen: Mittwoch, 11. Juni, bis Samstag, 14. Juni. Einlass: 21 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Franken.

Ob die Aufführung stattfindet oder wegen Regenwetter verschoben wird, gibt die Telefonnummer 1600 am Aufführungstag bekannt. Ticketreservation: ticket_sagenhaft@bluewin.ch, Telefon 043 255 06 86.


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