Bericht der Jury zum Freilichttheaterpreis

Eine Freude, wie konsequent die Truppe ihre eigene Arbeitsweise, die Szenografie, weiterentwickelt, ohne im jeweiligen Projekt die vorgefundene Situation aus den Augen zu verlieren. “Das Orakel von Turtmann”, eine Auftragsarbeit ursprünglich, mit der Vorgabe, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der kleinen Walliser Gemeinde zu thematisieren, wurde als Aufforderung zu einer vielseitigen Recherche genutzt: Dorfgeschichte, Hexenprozesse, Sagenfiguren, Brauchtum, aber auch Erforschung von Handfestem, Auskundschaften von Bauwerken und ihrer wechselvollen Geschichte, Befragungen von Ansässigen, erste gemeinsame Spielversuche…

Die respektvollen Begegnungen von urbanen Theatermachern mit Leuten aus einer ländlichen Randregion sind dem “Orakel von Turtmann” eingeschrieben, als wesentliches Element der Szenografie, genauso wie die Lichtinstallationen, eine Orakelmaschine, Tableaux vivants in alten Herrschaftshäusern, kurzen Szenen, Klangsprache in Minimal Art - all dies exakt zu einem stimmigen Rundgang zusammengebaut und verschiedentlich konfrontiert mit den Wünschen heutiger Trutmänner und Turtfrauen.

Liliana Heimberg, Barbara Schlumpf


Leserbrief im Walliser Bote, 3. 09.2010

 

Orakel von Turtmann: Grossartige Leistung

 

Mit treffenden Sprüchen zu persönlichen Wünschen schickte die Orakelmaschine, ein handwerkliches Kunstwerk sondergleichen, im fachmännisch renovierten Turrilji die Besucher auf eine eindrucksvolle Entdeckungs- und Erlebnisreise. Auf dem gut markierten Rundgang durch den alten Dorfteil mit 12 Stationen in geschichtsträchtigen Gebäuden und auf schönen Plätzen vernahm man Historisches über und von Turtmann, lauschte Stimmen, die die Gegenwart und ihre heutigen Bewohner charakterisierten oder einen Blick in die Zukunft warfen. Man tauchte ein in eine Welt der Sagen und der Mystik und vergass bei der grossartigen Szenerie beim Wasserfall mit Klanginstallationen, Videoprojektionen und Lichtspielen mit der Technik gar die harte Gegenwart. Und wem der Vagabund, der Fremde, dem das Dorf in der Theaterrolle zu Beginn skeptisch, ja despektierlich gegenüberstand, zuletzt als Mitburger aufgenommen wurde, hatte die Regie in dieser inszenierten, interessanten Rundgangsgeschichte dem Besucher mit feinem Gespür wohl noch eine aktuelle Botschaft über den Umgang mit Fremden zu vermitteln gewusst.

Dem künstlerischen Team T-Raumfahrt Zürich, unter der Leitung von Elisabeth Wegmann, Martina Hasler, Regina Graber und Judith Kreuzer, sei zum Konzept, zur sprachlichen Fassung, Inszenierung und technischen Realisierung herzlich gratuliert. Auch allen Schauspielerinnen, Schauspielern und Mitwirkenden wie den Verantwortlichen der perfekten Organisation sei gratuliert, Anerkennung und Dank gesagt. Die Rauminstallationen können als Ausstellung noch bis zum 25. September jeweils am Sonntag zwischen 14.00 und 17.00 Uhr besichtigt werden.

Donat Jäger, Visp